Pflegeinitiative in der Schweiz

Die „Pflegeinitiative“ befindet sich aktuell (Stand Februar 2026) in einer entscheidenden und politisch hochgeladenen Phase. Während die erste Etappe (die Ausbildungsoffensive) bereits seit Mitte 2024 läuft, steht 2026 ganz im Zeichen der zweiten Etappe, die die Arbeitsbedingungen und die berufliche Autonomie verbessern soll.

  1. Der politische Brennpunkt: Die zweite Etappe (2026)

Im Zentrum der aktuellen Debatte steht das neue Bundesgesetz über die Arbeitsbedingungen in der Pflege (BGAP).

  • Der Konflikt: Anfang 2026 hat die Gesundheitskommission des Nationalrats (SGK-N) Entscheidungen getroffen, die bei den Berufsverbänden (wie dem SBK) für massive Empörung sorgen. Die Kommission möchte den Entwurf des Bundesrates „redimensionieren“ – Kritiker sprechen von einer massiven Verwässerung.
  • Streitpunkt Arbeitszeit: Der Bundesrat wollte die wöchentliche Höchstarbeitszeit auf 45 Stunden senken. Die Kommission will sie jedoch bei 50 Stunden belassen, um den Spitälern mehr Flexibilität zu geben.
  • Streitpunkt Planbarkeit: Es geht um Entschädigungen für kurzfristige Dienstplanänderungen. Während das Personal auf verbindliche Pläne pocht, warnen die Arbeitgeberverbände (wie H+) vor zu hohen Kosten und bürokratischem Aufwand.
  1. Status der Umsetzung im Überblick

Die Umsetzung erfolgt in zwei großen Schritten, wobei 2026 das „Schicksalsjahr“ für die Arbeitsbedingungen ist:

Phase

Fokus

Status 2026

1. Etappe

Ausbildungsoffensive

In Kraft. Kantone zahlen Beiträge an Studierende und Ausbildungsbetriebe.

1. Etappe

Eigenverantwortlicher Bereich

In Kraft. Pflegefachpersonen können bestimmte Leistungen direkt mit den Krankenkassen abrechnen.

2. Etappe

Arbeitsbedingungen (BGAP)

In parlamentarischer Beratung. Heftiger Widerstand der Verbände gegen die Sparpläne der Kommission.

  1. Die Positionen der Akteure
  • Pflegeverbände (SBK, TravailSuisse): Sie sind „stinksauer“ (Stand Februar 2026). Sie werfen dem Parlament vor, den Volkswillen von 2021 zu ignorieren. Ohne bessere Bedingungen würden die neu ausgebildeten Kräfte den Beruf nach wenigen Jahren wieder verlassen.
  • Spitäler & Heime (H+, ARTISET): Sie begrüßen die „Redimensionierung“ durch die Kommission teilweise, da sie eine unkontrollierte Kostenexplosion (geschätzt 1–2 Milliarden CHF jährlich) und einen weiteren Personalmangel durch Arbeitszeitverkürzungen befürchten.

Warum 2026 so wichtig ist

Das Jahr 2026 wird entscheiden, ob das Gesetz so weit abgeschwächt wird, dass die Pflegeverbände eventuell mit weiteren politischen Maßnahmen (wie Protesten oder einer neuen Initiative) reagieren. Der Druck auf das Parlament ist enorm, da die Fristen für eine wirksame Verbesserung der Situation im Pflegealltag laut den Betroffenen längst verstrichen sind.

Die aktuelle Lage im Februar 2026 ist geprägt von einer tiefen Kluft zwischen der politischen Umsetzung in Bern und der Realität in den Kantonen.

Details zu den Protesten und der kantonalen Umsetzung der Ausbildungsoffensive:

  1. Aktuelle Protestwelle: „Fünf nach Zwölf“

Nachdem die Gesundheitskommission des Nationalrats (SGK-N) im Februar 2026 vorgeschlagen hat, zentrale Punkte der Arbeitszeitverbesserung (wie die 45-Stunden-Woche) zu streichen, haben die Verbände den Druck massiv erhöht:

  • Mobilisierung durch den SBK: Der Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK) hat für das Frühjahr 2026 eine Serie von kantonalen Aktionstagen angekündigt. Unter dem Slogan „Verrat am Volkswillen“ werden Mahnwachen vor Regierungsgebäuden organisiert.
  • Die „Pausen-Aktion“: In vielen Spitälern solidarisieren sich Pflegekräfte, indem sie symbolisch ihre Pausenzeiten (die oft nicht eingehalten werden können) im öffentlichen Raum verbringen, um auf die mangelnde Planbarkeit aufmerksam zu machen.
  • Ultimatum an den Nationalrat: Die Verbände drohen damit, die parlamentarischen Debatten im März 2026 mit Großdemonstrationen in Bern zu begleiten, sollte die „Verwässerung“ des Gesetzes nicht gestoppt werden.
  1. Kantonale Unterschiede in der Ausbildungsoffensive

Während die Arbeitsbedingungen auf Bundesebene stocken, läuft die Ausbildungsoffensive (1. Etappe) auf kantonaler Ebene sehr unterschiedlich an. Da die Kantone für die Umsetzung der Finanzhilfen zuständig sind, ist ein „Förder-Flickenteppich“ entstanden:

Kanton

Umsetzungsgrad 2026

Besonderheiten

Zürich / Bern

Hoch

Haben bereits umfassende Stipendienmodelle für Studierende ab 25 Jahren etabliert (Existenzsicherung während der Ausbildung).

Genf / Waadt

Pionierrolle

Aggressive Rekrutierung und sehr hohe kantonale Zuschüsse für Ausbildungsbetriebe, um die Abhängigkeit von Grenzgängern zu senken.

Ländliche Kantone (z.B. AI, OW)

Verzögert

Kleinere Kantone kämpfen mit der administrativen Umsetzung und bieten oft nur das gesetzliche Minimum an finanzieller Unterstützung.

Tessin

Spezialfall

Fokus liegt hier stark auf der Umschulung von Personal aus anderen Branchen mit hohen Lohnzuschüssen.

  1. Die Kernproblematik: Ausbildung ohne Bindung?

Die Daten von Anfang 2026 zeigen ein paradoxes Bild:

  • Die Anmeldezahlen an den Fachhochschulen steigen zwar leicht an (Dank der Gelder aus der Ausbildungsoffensive).
  • Gleichzeitig bleibt die Berufsaustrittsrate (Pauschal geschätzt bei 30-40% in den ersten Jahren) kritisch hoch, weil die 2. Etappe (Arbeitsbedingungen) eben noch nicht greift.

O-Ton der Verbände: „Wir füllen Wasser in ein Fass, das unten riesige Löcher hat. Ohne das BGAP (Arbeitsbedingungen) werfen wir das Geld für die Ausbildungsoffensive zum Fenster hinaus.“

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